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„Das Glas ist halb voll …“ - Die Architektenkammer M-V kommentiert das Regierungsprogramm der neuen Landesregierung

Christoph Meyn, Präsident der Architektenkammer M-V 17.11.2021, Pressemitteilung
Architektinnen und Stadtplaner ermutigen die neue Landesregierung zur Umsetzung klar erkennbarer Maßnahmen im Bereich Bauen und Stadtentwicklung.  
„Ja, wir hatten uns natürlich deutlich mehr klare Impulse und Innovationen im Bereich Gestaltung, Bauen und Stadtentwicklung erhofft“, kommentiert Christoph Meyn, Präsident der Architektenkammer M-V, die Koalitionsvereinbarung der neuen Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern. Das Planen und Bauen als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe „… hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient! Das Minimalziel, das Bauen wenigstens wieder in einem Ministeriumsnamen sichtbar zu machen, ist jedoch erreicht.“

Bekenntnis zu Baukultur als identitätsstiftende Gemeinschaftsaufgabe fehlt Allerdings kommt die Baukultur als identitätsstiftende Gemeinschaftsaufgabe für Mecklenburg-Vorpommern in der Koalitionsvereinbarung erstmals überhaupt nicht mehr vor. „Für eine rot-rote Landesregierung, die bereits 2003 in Mecklenburg-Vorpommern als erste in Deutschland mit großer Mehrheit einen Landtagsbeschluss zur Baukultur fasste und damit ein Bekenntnis zur breiten Förderung der Baukultur abgab, ist das schon ernüchternd. Da waren wir schon mal deutlich weiter …“, so Meyn.  

Keine landesspezifischen Akzente für die Bewältigung der Aufgaben vor Ort erkennbar
Weiter führt Christoph Meyn aus: „Wir vermissen klare landesspezifische Akzente zur Umsetzung der konkret in unserem Bundesland anstehenden Themen des Bauens. In den Bereichen Städtebau, Wohnen und Nachhaltigkeit wird beispielsweise überwiegend nur auf bereits bestehende Bundesprogramme und -initiativen verwiesen. Es fehlen ganz konkrete Ansätze für die Bewältigung der Aufgaben vor Ort, wie zum Beispiel auf das Land Mecklenburg-Vorpommern zugeschnittene Auffang- und Übergangsprogramme für Kommunen, die aus der Städtebauförderung entlassen wurden oder werden und nun ohne weitere Hilfen und Perspektiven dastehen.“  

Die Menschen müssen stärker an den Planungsprozessen beteiligt werden

Die Architekten und Stadtplanerinnen vermissen ferner eine Stärkung der Prozessorientierung sowie der Bürgerbeteiligung im Planen und Bauen. „Wenn wir die Menschen in unseren Städten und Gemeinden in unserem Land mitnehmen wollen, müssen wir deren Bedürfnisse erfassen und diese bei der Realisierung jedes einzelnen Bauvorhabens beachten. Das ist eine Frage der Wertschätzung der Gesellschaft gegenüber sich selbst und mehr als die pure funktionale Bedürfnisbefriedigung! Dafür benötigen wir starke Instrumente und eine neue Planungskultur.“  

Wir müssen kreativer mit dem Bestand umgehen

Aus Sicht der Kammer sollte die Fokussierung auf den Bestand künftig eine wichtige Rolle spielen. Kammerpräsident Christoph Meyn erklärt dazu: „Die Sanierung und intelligente Weiterentwicklung der Bestände an Gebäuden in Mecklenburg-Vorpommern ist sowohl aus Sicht der Nachhaltigkeit als auch des Klimaschutzes erste Pflicht in unserem Bundesland! Die monothematische Ausrichtung der sozialen Wohnraumförderung auf den Neubau wirkt hier einer nachhaltigen Entwicklung des Wohnens daher eher entgegen und befördert nach unserer Erfahrung Segregationstendenzen, anstatt sie zu begrenzen. Auch das rein energetische und Barrieren reduzierende Sanieren zu fördern, reicht nicht aus. Wir benötigen frische Ideen und Konzepte für das Zusammenleben. Weiter führt der Kammerpräsident aus: „Es fehlt an einem guten Umfeld für Innovationen! M-V braucht unkonventionelle Pilotprojekte, Experimente und neue Ideen im Bauen.“  

Bessere Schulbauten für unseren Nachwuchs

„Luft nach oben“ sieht Christoph Meyn auch im Bereich Bildung. „In Schulen, Hochschulen und Kitas legen wir mit der Bildung und Erziehung unserer Kinder den Grundstein für mündige und selbstbestimmte Bürgerinnen und Bürger. Da muss die hohe Qualität der Räume als Lern- und Begegnungsorte eine besondere und wertschätzende Rolle spielen. “Positiv bewerten die Architekten hingegen die Bündelung der Themen Bildung und Kitas innerhalb eines Ministeriums. Hier ergeben sich große Potenziale für übergreifende Lern- und Betreuungsmodelle, die auch in Gebäuden mit Qualität sichtbar werden können.  

Die Kapazitäten in der Ausbildung von Architekten weiter ausbauen
„Der Nachwuchsmangel in der Baubranche erfordert kurzfristig große Anstrengungen“, meint Meyn, der hier einen wesentlichen Grund für die in Mecklenburg-Vorpommern im Bundesvergleich zuletzt höchsten Baupreissteigerungen und erhebliche Verzögerungen bei Bauvorhaben sieht. Er ergänzt: „Selbst in der staatlichen Hochbauverwaltung fehlen in Größenordnungen Architekten, die die Projektsteuerung für öffentliche Baumaßnahmen übernehmen können, obwohl dort deutlich bessere Gehälter gezahlt werden als in der freien Wirtschaft. Mecklenburg-Vorpommern muss für Architekturfachkräfte einfach attraktiver werden. Und dazu gehört mehr noch als das Gehalt die Aussicht, in M-V innovative und nachhaltige Bauvorhaben umsetzen zu können. “ In Mecklenburg-Vorpommern werden aber derzeit weniger als halb so viele Architektinnen ausgebildet, wie gute Bewerber für die geringe Anzahl von Studienplätzen existieren. „Da könnten wir mit verhältnismäßig geringen Mitteln große Effekte erreichen. Die Bewerber sind im Gegensatz zu vielen Ingenieurdisziplinen in großer Zahl vorhanden, denn Mecklenburg-Vorpommern ist ein attraktiver Ort zum Studieren!“, so Meyn.
Die Architektenkammer M-V hat dafür bereits attraktive Kooperationsmodelle vorgeschlagen, die allerdings auch von Seiten der Landesregierung mitgetragen werden müssten.  

Insgesamt schauen die Architekten aller Disziplinen trotzdem motiviert und positiv in die Zukunft, resümiert Christoph Meyn. „Wenn wir von der Politik Ideen und Konzepte fordern, müssen auch wir selbst neue Vorschläge machen und auch mit Inhalten überzeugen – also „das Glas ist halb voll“ und wir wollen dazu beitragen, Mecklenburg-Vorpommern weiter nach vorn zu bringen.“

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