Der von der Landeshauptstadt Schwerin ausgelobte Wettbewerb ist entschieden:
Der 1. Preis ging an das Schweriner Architekturbüro Mikolajczyk – Kessler – Kirsten. www.mkk-architekten.de
Im Stadtteil Lankow südlich der Gadebuscher Straße liegt der „ehemalige Internatskomplex“. Seit dem Jahr 2002 wurde der Gebäudebestand kontinuierlich mit Mitteln aus dem Städtebauförderungsprogramm „Stadtumbau Ost“ bis auf ein Gebäude rückgebaut. Im Sinne der Stadtentwicklungsziele soll diese innerstädtische Fläche in attraktiver Lage zu einem neuen Wohngebiet entwickelt werden. Eine Fachjury hat mit Unterstützung durch städtische Fachämter Schwerins einen ersten und zwei dritte Preise für die Planungen vergeben. Die weitere Entwicklung des Gebietes soll auf Grundlage des 1. Preisträgers geplant werden.
Auslober:
Landeshauptstadt Schwerin
Am Packhof 2-6, 19055 Schwerin
Ansprechpartner:
Frau Cordes: Tel. 0385-545-2659, bcordes@schwerin.de
Herr Thiele: Tel. 0385-545-2662, athiele@schwerin.de
Art des Auswahlverfahrens:
Das Auswahlverfahren wurde als Kooperatives Verfahren nach RPW 2008 ausgelobt.
1. Preis
www.mkk-architekten.de
Mikolajczyk – Kessler – Kirsten
Dr.-Hans-Wolf-Str. 3, 19055 Schwerin
Städtebauliche / landschaftliche Einbindung:
Die Autoren entwickeln sehr konsequent, aber auch sensibel, eine räumliche Struktur mit vier variantenreich geformten Quartieren unterschiedlicher Dichte um einen kleinen Platz in der Mitte. Mit diesem Ansatz gelingt es einerseits differenzierte Wegebeziehungen von und nach Außen zu entwickeln und andrerseits die anschließenden, ganz unterschiedlichen, Siedlungsstrukturen aufzunehmen. So erhält das Schulgelände ein klar definiertes Gegenüber aus dreigeschossigen Baukörpern und die Einfamilienhausgebiete ein Gegenüber von Einzel -und Doppelhäusern mit räumlich eher offenem Rand. Gegenüber dem Schulgelände wird eine eindeutige Eingangssituation zum neuen Quartier entwickelt, die die dort vorhandenen Landschaftselemente – Bewuchs / Topographie – feinfühlig aufnimmt. Die angrenzenden Landschafträume werden, über das Wegenetz der neuen Bebauung, vielfältig erschlossen und durch minimale Eingriffe aufgewertet.
Erschließung:
Rund zwei Drittel der neuen Quartiere werden durch eine schleifenartige Erschließung direkt über die heutige Schulzufahrt erschlossen. Die Lage der Straße am nördlichen Rand lässt eine Option auf eine rückwärtige Anbindung der Bauflächen an der Gadebuscher Straße zu. Das knappe restliche Drittel - überwiegend Einfamilienhäuser - werden über eine direkte Anbindung südlich des Kirchengrundstückes an das vorhandene Netz angebunden. Dies kann für einen Teil der vorhandenen Häuser an der Eschenstraße eine direktere Anbindung an das übergeordnete Straßennetz bedeuten und so zu einer Entlastung des vorhandenen Netzes im Bereich der dichteren Nachbarbebauung führen. Die beiden Erschließungsschleifen tangieren den zentralen Platz, bleiben aber voneinander getrennt. So wird dieser einerseits in seiner zentralen Bedeutung als Kommunikationsort aufgewertet aber in seiner Aufenthaltsqualität nicht negativ beeinflusst.
Gebäudetypologie:
Die Verfasser streben ein breites Angebot an individuellen Wohnformen sowohl in der Dichte als auch für die unterschiedlichsten sozialen Konstellationen, die es in den heutigen ausdifferenzierten Lebensstilmilieus gibt, an. Sie unterwerfen diese Vielfalt aber ein paar schlüssig formulierten Gestaltungsregeln, wie Materialeinheit, klare Kubatur, Wechsel von klaren Raumkanten, offenem Grünbezug u.a.m.
Die Arbeit stellt eine deutliche Alternative zu bisher praktizierten Siedlungsmodellen dar, und könnte gerade für die Fläche einer ehemaligen variantenlosen, hochgeschossigen Zeilensiedlung einen zukunftsorientierten Neuanfang darstellen. Eine Realisierung würde allerdings ein hohes Maß an Überzeugungskraft bei allen Beteiligten erfordern.
3. Preis
www.ppp-architekten.de
petersen pörksen und partner
Kanalstraße 52 und 64, 23552 Lübeck
Städtebauliche / landschaftliche Einbindung:
Die Autoren entwickeln eine weitgehend konsequent durchgeformte Grünverbindung zwischen den beiden vorhanden Landschafträumen als zentrale Mitte des neuen Quartiers, die zugleich Durchgangs – und Kommunikationsort für und mit den angrenzenden Wohngebieten darstellt. Die diagonale Anordnung zielt auf die zurückhaltend entwickelte Öffnung zum Lankower See hin. Der eher landschaftlich geformte Grünzug verknüpft sowohl die anschließenden Wohnhöfe als auch deren rückwärtige halböffentliche Gartenräume. Auf einen zentralen Quartierseingang für alle Arten von Verkehrsteilnehmern wird so verzichtet, ebenso auf eine direkte städtebauliche Verknüpfung mit dem Schulkomplex. Dies wird von der Jury eher kritisch gesehen. Die gewählte diagonale Anordnung des Grünzuges bedingt unterschiedlich große Wohnhöfe und erzielt so ohne weitere Regelungen bereits Wahlfreiheiten für die Vermarktung als auch für die Zusammensetzung der späteren Bewohner.
Erschließung:
Das Quartier wird je zur Hälfte über den direkten Anschluss an die Gadebuscher Straße zusammen mit der Schule erreicht und zum anderen über eine neue Verbindung an der südlichen Grenze des Kirchengrundstückes. Dabei wird die Eschenstraße mit zur Erschließung der südlichen Wohnhöfe genutzt. Ob dies von den Anwohnern akzeptiert würde und ob das neue Quartier dadurch nicht zusätzlich belastet würde, wird kontrovers diskutiert. Die zweite Anbindung der nördlichen Erschließungsstraße an die Gadebuscher Straße mit der dort vorgeschlagenen Bebauung wird in der Form nicht positiv bewertet. Dagegen wird die Option auf eine rückwärtige Erschließung parallel zur Gadebuscher Straße für sinnvoll erachtet. Die vorgeschlagen Querungsfurten durch den Grünzug für den Serviceverkehr werden zur Vermeidung von Doppelverkehr innerhalb der Wohnhöfe akzeptiert.
Gebäudetypologie:
Der Entwurf bietet eine breite Palette systematisch aufbereiteter, variantenreicher Winkelhäusern an, die, in Kombination mit den Wohnhöfen, die vom Auslober gewünschte Vielfalt gut abdecken könnten. Die Qualität der Abstufung der Außenräume von öffentlich bis privat, sowie deren vielfältige und sinnfällige Abgrenzungselemente, werden ausdrücklich gelobt.
Das Konzept könnte die in Schwerin bereits neu entwickelten Quartiere ähnlicher Art bei der Durchsetzung der vorgeschlagenen Wohnungstypologie durchaus positiv ergänzen. Es lässt sich auch ohne weitere Schwierigkeiten in kleineren Abschnitten verwirklichen, allerdings ist für den südlichen Abschnitt ein Zusammenwirken mit den Anwohnern der Eschenstraße unumgänglich
3. Preis
www.archi-stadt.de
Baum – Schwormstede GbR
Friedensstraße 51, 19053 Schwerin
Städtebaulich / landschaftliche Einbindung:
Die Verfasser teilen das Grundstück konsequent in zwei gleiche Hälften mittels eines, wie sie schreiben „grünen Korridors“. Dieser konsequent landschaftsarchitektonisch ausgeformte Raum kann die beabsichtigte Kommunikationsaufgabe nach Meinung der Jury durchaus leisten, zumal die anschließenden Wohnhöfe sich dahin keilförmig öffnen. Die direkte Ausrichtung auf Kirche einerseits und Schulzugang andrerseits wird in ihrer Wirkung jedoch kontrovers diskutiert, die Anbindung an die anschließenden Grünräume sind jedoch nachvollziehbar. Bemängelt wurde das Fehlen eines städtebaulich artikulierten Quartierseinganges und die noch nicht überzeugend durchgearbeitete Ausformulierung der von der Erschließung gequerten Plätze jeweils am Ende des grünen Korridors.
Erschließung:
Die Autoren verzichten vollständig auf eine Verknüpfung der Individualverkehrs mit den südlich und westlich gelegenen Wohnquartieren. In der Konsequenz verlangt dies eine zweite Nordanbindung und die zweimalige Querung des grünen Korridors. In der vorgeschlagenen Anordnung kann das nachvollzogen werden. Ob die am südlichen Rand so entstehende Doppelerschließung nicht durch eine geringfügige Verkleinerung der südliche Wohnhöfe vermieden werden könnte, wird diskutiert. Der Verzicht auf öffentliche Durchgänge zwischen den Gärten wird positiv angemerkt.
Gebäudetypologie:
Die Gleichförmigkeit der Wohnhöfe verlangt eine umso konsequenter ausgeformte Varianz der Gebäudeentwicklung, will man der Forderung des Auslobers nach Vielfalt des Wohnungsangebotes gerecht werden. Diese Aufgabe haben die Verfasser in überzeugender Systematik vorbildlich gelöst.
Das Konzept kann ohne Schwierigkeiten in größeren oder kleineren Abschnitten gebaut werden und ist, da es sich auch bei der Erschließung ganz von den Nachbargebieten absetzt, wenig konfliktträchtig.
2. Wertungsrundgang
www.gpk-architekten.de
GPK Architekten GmbH
Sophienstraße 19-21, 23560 Lübeck
Städtebauliche/landschaftliche Einbindung:
Die Autoren gliedern das Planungsgebiet in zwei annähernd gleich große Quartiere mit je drei Wohnhöfen mittels einer leicht diagonal angeordneten Grünachse in Form eines von Bäumen und Büschen begeleitenden Sickerwasserlaufs. Diese Ausformung führt zu einer eher trennenden als verbindenden Wirkung des Grünraumes, der aber als verbindendes Element zu innerhalb und auch zu außerhalb des Plangebiets liegenden Wohnsituationen bezeichnet wird. Dieser Widerspruch lässt sich nur durch eine eingehende Umplanung des Grünraumes aufheben. Die jeweils anschließenden Grünräume sind dagegen sinnfällig ausgeformt.
Das eigentliche Quartier wird im Bereich der Schule durch eine massivere Bebauung, die auf die Schule räumlich nachvollziehbar reagiert jedoch so begrenzt, dass sich daraus eine zu deutliche Abgrenzung ergibt: es verschwindet regelrecht.
Erschließung:
Die gesamte Erschließung erfolgt über die heutige Schulanbindung. Durch die Einbeziehung der Eschenstraße als südliche Erschließung der dortigen Wohnhöfe wird das gesamte südlich anschließende Bestandsgebiet miteinbezogen. Ob dann das angebotene System noch funktioniert wird kontrovers diskutiert. Das dargestellte Fußwegesystem ist sehr feinmaschig. Auf die öffentlichen Wege zwischen den Privatgärten sollte verzichtet werden.
Gebäudetypologie:
Die angeboten Gebäudevarianten sind durchaus vielfältig im Sinne der Auslobung, sie erscheinen jedoch für eine an Dritte weiter zu vermittelnde Leitidee zu individuell. Eine etwas mehr systematische Abstraktion wäre da zielführender gewesen.
1. Wertungsrundgang
www.czernergoettsch.de
Czerner göttsch architekten
Bei der Johanniskirche 3, 22767 Hamburg
Städtebauliche/landschaftliche Einbindung:
Die Autoren konzentrieren das neue Quartier auf eine durch breite Grünräume umfasste Fläche von ca. 200 mal 300 m. So entsteht ein konsequent abgeschlossenes Quartier, das allerdings keinen inneren Focus hat, was man bei einer solchen Insellage erwarten könnte. Die hofartigen Teilbebauungsflächen sind sehr klein und verlangen dem zufolge einen übergroßen Erschließungsaufwand mit viel Eckgrundstücken. Die Idee, die umfassenden Abstandgrünflächen als Reservebauflächen vorzusehen, kann die Jury nicht überzeugen, da der Hauptvorteil für alle dort anschließenden Gründstücke dann entfallen würde und im Ergebnis nur eine wenig strukturierte Siedlungsfläche verbleiben würde, wenn nicht die Anlieger eine solche Erweiterung ohnehin mit aller Macht bekämpfen würden. Die Betonung eines Einganges zum Neuen Quartier mit einem besonderen Gebäude erscheint zu wenig tragkräftig, denn wenn dies wegfällt oder „schiefgeht“ kein städtebaulich oder landschaftsarchitektonischer Ersatz zu Verfügung steht. Die mehr symbolisch gemeinte Bezugsachse zum Lankower See erscheint nicht ausgereift angesichts der deutlichen Höhenunterschiede.
Erschließung:
Die Erschließung erfolgt ringförmig mit einem einzigen Anschluss nach Norden, was bei einer Bebauung ohne die angedachten Reserveflächen ausreichend erscheint. Die Vernetzung der Fußwege über die umfassenden Grünflächen sind nachvollziehbar aber ohne weitere Anreize zum Verweilen und Kommunizieren ausgeformt.
Gebäudetypologie:
Die Beschränkung der dargestellten Gebäudetypologien auf die Sonderform am Rand der Siedlungsflächen bringt keine Auseinandersetzung mit der eigentlichen Aufgabenstellung.
Preisrichter
1. Herr Dr. Friedersdorff
Baudezernent Schwerin,
Sachpreisrichter
2. Herr Prof. em. Burkhardt,
Stadtplaner, ehem. HfbK Hamburg, PPL Hamburg.
Fachpreisrichter
3. Frau Prof. Sörensen,
Landschaftsarchitektin, Hafenuniversität (HCU) Hamburg
Fachpreisrichter
4. Herr Brenncke, Architekt Schwerin,
Fachpreisrichter
5. Herr Thiele
Amt für Stadtentwicklung, Schwerin
Fachpreisrichter
Stellvertretende Preisrichter
1. Herr Webersinke,
Landschaftsarchitekt Rostock
Fachpreisrichter
2. Dr. Hagen Brauer
Bauausschussvorsitzender Schwerin
Sachpreisrichter
Veröffentlichung der Stadt Schwerin:
www.schwerin.de