Architektenkammer

Mecklenburg-Vorpommern
Alexandrinenstraße 32
19055 Schwerin
Bundesrepublik Deutschland

Telefon: 0385 59079-0
Telefax: 0385 59079-30
E-Mail:

Moderne Signalarchitektur

Rettungsstation Ahlbeck; Foto: Achim Dreischmeier Rettungsstation in Ahlbeck
Architekten: Achim Dreischmeier + Alexander Aehnlich
www.Achim-Dreischmeier.de

Eine Rettungsstation muss für den, der Hilfe sucht, schnell zu finden sein. Eine Einbindung in das Ortsbild schließt sich für diese Bauaufgabe von selbst aus,...

...denn ein signifikantes Gebäude kann schlechterdings gleichzeitig den Maximen einer strengen Gestaltungssatzung folgen. Achim Dreischmeier hat dieser Argumentation entsprochen und gar nicht erst versucht, die Rettungsstation von Ahlbeck in den Formenkanon der so genannten Seebäderarchitektur einzuordnen. Damit ist jenes Formenspekturm gemeint, das sich Ende des neunzehnten, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts durchgesetzt hat und heute so etwas wie eine Corporate Identity der Ostseebäder in Mecklenburg-Vorpommern darstellt. Stattdessen hat er ein streng funktionales Gebäude geschaffen, dessen Ästhetik sich allein aus seinem Zweck zu ergeben scheint: Die große Glasfläche bietet den Rettungsschwimmern einen guten Überblick über das Badegeschehen und das Orange der geschlossenen Wandteile weist die Badegäste darauf hin, dass sie hier einen besonderen Service geboten bekämen, wenn sie ihn denn bräuchten. Der Grundriss ist einfach: Hinter der gläsernen Front mit dem Beobachtungsbereich schließen kleinere Räume an: Ein Untersuchungszimmer, eine Küche, ein Bad und ein Aufenthaltsraum. Ein Flur konnte so eingespart werden. Der Grundriss scheint sich organisch aus der Nutzung zu ergeben Ob das wirklich so ist, wird die Praxis zeigen. Denn die Architektur dieses kleinen Gebäudes ist eben doch die Folge einer Reihe sehr bewusster Entscheidungen und intensiver Entwurfsarbeit. Die Einfachheit einer solchen Gestaltung ergibt sich nicht eben einfach so und sie ist schon gar kein Produkt von Nachlässigkeit, die Architekten gerne unterstellt wird, die den Maximen der Moderne folgen wollen. Achim Dreischmeier bezieht sich mit seiner Architektur ganz eindeutig auf diese Prinzipien. Das Gebäude hat durch seine Form und seine Farbe nicht nur die gewünschte Sonderstellung erhalten, es ist funktional überzeugend und es spielt mit der Leichtigkeit der radikalmodernen Architektur der zwanziger Jahre. Seine Sonderstellung ist also gut genutzt worden. Dabei wird es wohl auch bleiben, denn sollte diese Art zu bauen in den Seebädern Schule machen, wäre die Alleinstellung schnell dahin. Da Usedom aber noch weitere Rettungsstationen benötigen wird, könnte die Station in Ahlbeck zu einem Prototyp dieser Bauaufgabe werden und die moderne Bäderarchitektur hätte auf Usedom zumindest einen kleinen Durchbruch erzielt, denn um Bäderarchitektur handelt es sich hier allemal, denn wo nicht gebadet wird braucht man auch keine Beobachtungsstation für Rettungsschwimmer.

Olaf Bartels
DAB 06-2009

 
zurück