Eine Stadt baut ihre Synagoge. Jüdisches Leben kehrt zurück nach Schwerin
NDR-Fernsehen, gesendet im Dezember 2008, 30‘
Autorin: Ulrike Steinbach, Kamera: Michael Kockot, Cutter: Veit Henseke
Die Geschichte: 70 Jahre nach der Pogromnacht wird auf den Fundamenten der alten Synagoge in Schwerin ein neues Gotteshaus gebaut. Am 3. Dezember 2008 wurde das neue jüdische Gebetshaus eingeweiht. Die Jury des Medienpreises hat sich einstimmig für den Film von Ulrike Steinbach entschieden, weil er viel mehr ist als eine Dokumentation über den Bau eines Hauses. Es ist ein Stück Zeitgeschichte, aufwändig und sorgfältig recherchiert und spannend und poetisch erzählt.
Das Bild, das die Autorin und ihr Kameramann Michael Kockot für das Aufblühen des jüdischen Lebens an historischer Stelle findet, ist schlicht und eindringlich gleichermaßen: Der Davidstern, durch den Licht fällt und beeindruckende Schatten wirft. Damit ist schon fast die ganze Geschichte erzählt.
Ulrike Steinbach hat die Bauarbeiten der neuen Synagoge ein halbes Jahr lang begleitet. Während der Dreharbeiten ist sie Menschen begegnet, für die das neue Gotteshauses mehr ist als nur ein Gebäude. Da ist der englische Rabbiner William Wolff, für den ein Traum wahr wird, das sind Mitglieder der russischen Gemeinde, junge wie alte, die zaghaft ihre jüdischen Wurzeln entdecken. Und nicht zuletzt die Architekten Joachim und Matthias Brenncke, die ihre Vision von moderner Architektur verwirklichen konnten.
Geschickt und eindrucksvoll verwebt Ulrike Steinbach diese drei Ebenen miteinander, die religiöse, die persönliche, die historische. Ihre Interviews sind einfühlsam und undaufdringlich, ihre Geschichten und die Bilder des Kameramanns Michael Kockot sind eindrucksvoll und nachhaltig, ohne ins Klischee abzudriften. Die Handschrift des Cutters Veit Henseke gibt dem Film einen ganz besonderen Charakter. Der Film vereint Vergangenheit und Zukunft und zeigt, wie durch Architektur Geschichte lebbar wird, wie sie den Alltag bestimmt.
Die Preisträgerin:
Ulrike Steinbach wurde 1975 in Crivitz geboren. Nach ihrem Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und der Neueren deutschen Literatur und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin arbeitete Ulrike Steinbach unter anderem bei der Schweriner Volkszeitung und bei der Nachrichtenagentur DDP. Seit 2005 ist sie für den NDR in Schwerin als Fernsehautorin tätig. Seit Januar 2010 ist Ulrike Steinbach auch für "Autorenwerk" in Berlin als Fernsehautorin unterwegs.
Zwei Nominierungen:
Diese beiden Beiträge, schafften es in die engere Wahl:
„Optimisten der Küste - die glücklichen Architekten in Meck-Pomm“
Die Architekten in Mecklenburg-Vorpommern sind, im bundesweiten Vergleich, außerordentlich optimistisch. Jedenfalls laut dem Geschäftsklima-Index einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo. Seit Anfang 2007 ist diese Kurve in MV von einem lausigen und weit unter dem deutschen Durchschnitt dahinsiechenden Wert von -45 auf äußerst zuversichtliche +15 im letzten Quartal des Jahres 2009 geklettert. In keinem anderen Bundesland ist die Kurve im selben Zeitraum so stark gestiegen. Aus einem niedergeschlagenen, mürrischen, deprimierten, verregneten und sturmgebeutelten Mecklenburg-Vorpommern, so scheint es, ist ein bundesweit hell strahlendes Vorbild in Sachen Optimismus geworden. Leben hier die glücklichsten Architekten Deutschlands?...
Autor: Florian Heilmeyer
veröffentlicht in der 161. Ausgabe des
wöchentlichen Onlinemagazins BAUNETZWOCHE
zum Artikel:
www.baunetz.de
„Kein Streit mit Paris. Neue Rügenbrücke“
Rund 1,3 Millionen Menschen machen mittlerweile jährlich Urlaub auf Rügen. Um dorthin zu kommen, überquerten sie bisher den Rügendamm, ein mehrteiliges Bauwerk von 1936, das die größte deutsche Insel mit dem Festland verbindet. Das Kernstück, die Klappbrücke über den Ziegelgraben, öffnet sich fünfmal täglich für die durchfahrenden Schiffe – ein Nadelöhr, besonders in Ferienzeiten, wenn mehr als 20.000 Autos die Strecke passieren. Dann staut sich der Verkehr zurück bis in die engen Straßen von Stralsund. Nicht nur ein Ärgernis für die Touristen, sondern auch ein Hindernis für den Lasttransport zum Fährhafen Saßnitz-Mukran auf Rügen, der sich als Drehscheibe im Ostseeraum etablieren will. Seit Beginn der neunziger Jahre diskutierte man deshalb über eine neue Verbindung zwischen Insel und Festland, die vom Schiffsverkehr nicht gestört wird. Sie sollte den Rügendamm ergänzen, der weiterhin für Eisenbahn, Fußgänger und Radfahrer genutzt werden soll.
Die neue Verbindung geriet zum umstrittenen Teilstück des Verkehrsprojekts Rügenzubringer, das als Bundestraße 96n an der Ostseeautobahn A20 in Höhe Greifswald beginnt und in der Kreisstadt Bergen auf Rügen enden soll....
Autorin: Friederike Meyer
veröffentlicht in: Bauwelt 44/2009
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