"Die Architekten" ist einer der letzten von der DEFA gedrehten Filme: Eine Gruppe junger Architekten erhält den Auftrag, ein neues Zentrum für eine Trabantenstadt im Osten Berlins zu entwerfen und scheitert an der Ignoranz und Starrheit der DDR-Machthaber.
Der Film wurde noch vor dem Fall der Mauer gedreht und benutzt die Architektur auch als Metapher für den Zustand einer zerfallenden Gesellschaftsordnung. Er spiegelt die verlorene DDR-Generation der Dreißig- bis Vierzigjährigen, der sich auch Regisseur Peter Kahane und Autor Thomas Knauf zugehörig fühlten. Dass ihr offener, kritischer, mutiger Film noch in der Honecker-Agonie konzipiert werden konnte, weist auf die beginnenden Umbrüche innerhalb des DEFA-Spielfilmstudios hin, aber vielleicht auch darauf, dass sich die kulturpolitisch Tonangebenden mit einem Film wie diesem ein Alibi für "andere Zeiten" zu sichern glaubten.
Hauptfigur der "Architekten" ist Daniel, der mit großen Idealen an seinen Beruf herangegangen war, aber seit dem Studium bestenfalls Wartehäuschen für Busstationen projektieren darf. Aufgrund eines Wettbewerbs, an dem er teilnimmt, erhält er plötzlich den Auftrag, für einen Berliner Neubau-Stadtteil ein kulturelles Zentrum zu schaffen. Er holt sich eine Gruppe junger Leute, gemeinsam gehen sie mit Feuereifer ans Werk: Ihr Zentrum soll Spielplätze, Grünanlagen, moderne Kunst und Geschäfte vereinen. Doch die Bürokratie erhebt immer wieder ihr Haupt; was auf dem Papier und als Modell entwickelt wurde, wird auf ein Minimum zusammengestrichen.
Der Film sollte zum ersten Mal offene Tabuthemen wie Stasispitzel und Ausreisewillige ansprechen. Erst am 3. Oktober 1989 konnten die Dreharbeiten beginnen und wurden quasi von der Geschichte überrollt. Als der Film Ende Juni 1990 startete, erhielt er zwar Preise und Anerkennung von der Presse, fand allerdings kein breites Publikum. Der Film ist inzwischen zu einem Zeitdokument geworden. Neben seinem historischen Wert, lohnt sich der gedankliche Transfer so mancher im Film thematisierter Probleme ins Hier und Jetzt: Der Architekt, seine Ideale und Ideen, der Entwurf und deren Umsetzung - Stoff genug zum Philosophieren und Diskutieren.
Regie: Peter Kahane
Drehbuch: Thomas Knauf
Kamera: Andreas Köfer
Musik: Tamás Kahane
Darsteller:
Kurt Naumann - Daniel Brenner
Rita Feldmeier - Wanda Brenner
Uta Eisold - Renate Reese
Jürgen Watzke - Martin Bullat
Ute Lubosch - Franziska Scharf
Catherine Stoyan - Elke Krug
Andrea Meissner - Barbara Schneider
Jörg Schüttauf - Wilfried Berger
Hans-Joachim Hegewald - Albrecht Wischala
Christoph Engel - Ökonom Endler
Produktionsfirma: DEFA-Studio für Spielfilme (Potsdam-Babelsberg/DDR)
Regisseur Peter Kahane
Peter Klement Kahane, geboren am 30. Mai 1949 in Prag, Sohn des Journalisten und Auslandskorrespondenten Max Kahane; seine Mutter Doris Kahane, geb. Machol, ist Malerin und Grafikerin. 1950 in die DDR zurückgekehrt, besucht er ab 1955 drei Jahre die Grundschule in Berlin, ab 1958 für anderthalb Jahre die Schule in Neu-Delhi.
Ab 1959 lebt er in einem Internat in Cöthen, absolviert die Schule in Falkenberg, ab 1963 die Erweiterte Oberschule in Bad Freienwalde. 1967 Abitur an der EOS "Heinrich Schliemann" in Berlin, zugleich Abschluß als Kühlanlagenschlosser. Nach Ablehnung seiner ersten Bewerbung an der Filmhochschule in Babelsberg nimmt er 1967 ein Studium an der Humboldt-Universität auf, das er 1971 mit dem Diplom als Lehrer für Französisch und Russisch abschließt; er beginnt die Arbeit an einer Dissertation.
Mit "Die Architekten" (1989/90) gelingt Kahane eine zwingende Parabel über das Scheitern progressiver Ideen angesichts alltäglicher Zwänge und Restriktionen. Die Tatsache, dass die Entstehung des Films mit den Umwälzungen in der Deutschen Demokratischen Republik und dem damit verbundenen Ende der DEFA in ihrer bisherigen Form zusammenfällt, macht "Die Architekten" zu einer ebenso faszinierenden wie mehrdeutigen Auseinandersetzung über Idealismus und Utopie.
In den 1990er Jahren arbeitet Kahane verstärkt im Fernsehbereich; für das Kino entsteht 1998 die Tragikomödie "Bis zum Horizont und weiter" (1998). Im Dokumentarfilm "Tamara" (2006/2007) zeichnet er ein sensibles Porträt der DDR-Rockikone Tamara Danz – Sängerin der Band "Silly"–, die 1996 an einer Krebeserkrankung verstarb. 2008 kommt Kahanes prominent besetzte Verfilmung des antiautoritären Kinderbuchklassikers "Die Rote Zora" in die Kinos, im folgenden Jahr seine Liebesgeschichte "Meine schöne Nachbarin" mit Isabella Parkinson und Jörg Schüttauf.